Mit dem Büffel und der AK-Serie schuf die Doppstadt Umwelttechnik GmbH Maschinen, die die Umweltbranche bis heute prägen. Der INVENTHOR 6.2 setzt diese Tradition fort. Er wurde kürzlich mit dem IF Design Award und Red Dot Design Award ausgezeichnet. Diese Erfolge gründen auf einer klaren Vision: dem perfekten Zusammenspiel aus Funktionalität und formaler Gestaltung.
Es entscheidet maßgeblich über nachhaltigen Erfolg und Misserfolg, prägt Marken und bringt Ikonen hervor – das formale und strategische Design. Bei der Doppstadt Umwelttechnik GmbH verantwortet Florian Valentin seit 2021 das strategische und Industrial Design. Der 32-jährige hat einen Transformationsprozess initiiert, der die formale Gestaltung der Doppstadt-Maschinen fest in der Unternehmensstrategie verankern soll.
„In seiner 60-jährigen Unternehmensgeschichte hat Doppstadt zahlreiche Maschinen entwickelt, die die Branche entscheidend geprägt haben – sowohl vom technischen als auch gestalterischen Aspekt“, sagt Valentin, der vor allem den kontinuierlichen Innovationsdrang der Gründerfamilie und Mitarbeitenden als bedeutenden Erfolgsfaktor des Unternehmens erachtet: „Sie haben designtechnisch immer wieder den Zeitgeist getroffen und Entwicklungen umgesetzt, die neue Perspektiven aufzeigten, einfach zu verstehen waren und zu Ikonen wurden – sei es durch eine spezielle Materialverarbeitung, eine besondere Bauform oder das prägnante Orange.“
Von der persönlichen Handschrift zum strategischen Design
Bevor Valentin 2018 als Praktikant bei Doppstadt anfing, waren die Konstrukteure und Geschäftsführer für die formale Gestaltung der Maschinen zuständig. Das Erscheinungsbild war damals von der persönlichen Handschrift des jeweiligen Entwicklers geprägt. In vielen Bereichen gab es keine konkreten Vorgaben.
Als erster interner Industrial Designer bei Doppstadt hat sich der 32-Jährige zum Ziel gesetzt, die Marke Doppstadt konsequent strategisch weiterzuentwickeln. Er kann dabei auf zahlreiche Errungenschaften aus der 60-jährigen Unternehmensgeschichte zurückgreifen. „Doppstadt besitzt eine klare Markenidentität, der die Kunden oftmals seit Jahrzehnten vertrauen. Das ist ein sehr großer Vorteil – auch gegenüber dem Wettbewerb“, betont Valentin. Er möchte dieses Vertrauen auf das Aussehen der Maschinen übertragen: „Unsere Lösungen sind langlebig, ermöglichen anspruchsvolle Anwendungen und haben einen hohen Wiederverkaufswert. Die Gestaltung unserer Maschinen und Serviceangebote soll diese Werte widerspiegeln.“
Für Valentin muss ein gelungenes Design ehrlich und authentisch sein. Es erfülle die beim Kunden erzeugten Erwartungen: „Mit der Formsprache beeinflussen wir, wie das Produkt wirken soll – immer in der Annahme, die Bedarfe der Kunden zu treffen, indem das Produkt am Ende glaubhaft wirkt.“
Gegenseitiges Verstehen und Lernen
Sein Einstieg bei Doppstadt war zunächst mit Unsicherheiten verbunden. „Für gewöhnlich dient ein Praktikum dazu, das Erlernte in einem dafür ausgelegtem Arbeitsumfeld anzuwenden und sich mit anderen Designern auszutauschen“, erläutert Valentin. Diese Möglichkeiten gab es zu dem Zeitpunkt bei Doppstadt allerdings nicht. Die Rolle des Mentors übernahm kein Designer, sondern der Entwicklungsleiter. „Er hat mir mit viel Hingabe und Geduld Perspektiven aufgezeigt, die ich von einem Designer nie gelernt hätte. Diese Erfahrungen schätze ich bis heute sehr und empfinde sie als äußerst wertvoll“, sagt Valentin.
Der Austausch mit anderen Abteilungen ist nach wie vor von größter Bedeutung für die Arbeit Valentins. Im Praktikum sammelte er zunächst Erfahrungen in den Bereichen Mechanik, Hydraulik und Elektrik. „Ich erhielt einen tiefen Einblick in die Maschinenwelt. Ich begriff, dass eine gezielte formale Gestaltung zwar wichtig sein kann, die Funktionalität und das Fokussieren auf Kundenbedürfnisse hier jedoch einen deutlich höheren Stellenwert haben, wenn es um den Wert und die Sinnhaftigkeit eines Produkts geht“, blickt der 32-Jährige zurück.
Doppstadt überzeugte Valentin als Arbeitgeber. Er schrieb sowohl seine Bachelor- als auch Masterarbeit im Unternehmen. 2021 stieg er als erster interner Designer beim Experten für Umwelttechnik ein. Seine Aufgaben bestanden zunächst darin, Maschinen und Bedienungen nachträglich zu optimieren sowie Konzepte zu visualisieren. Dabei gewährte ihm Doppstadt großen Freiraum. „Ich bin in meiner Arbeit sehr frei, kann viele Möglichkeiten und Ansätze ausprobieren. Ich bin im ständigen Austausch mit anderen Abteilungen, bei dem gegenseitiges Verstehen und Lernen im Vordergrund stehen“, lobt Valentin.
Ein mutiger Umbruch
Bei der Produktentwicklung verfolgte Doppstadt die vergangenen Jahre eine maschinenfokussierte Strategie, bei der vorrangig die Optimierung einzelner bestehender Produkteigenschaften im Vordergrund stand. „Ein Unternehmen kann sich zwar durch technische Innovation vom Wettbewerb differenzieren, bleibt dabei jedoch innerhalb derselben Rahmenbedingungen. In einem solch schnelllebigen Umfeld wie heute, kann diese Vorgehensweise zum Risiko werden“, erklärt der 32-jährige Lead Designer: „Langfristig nachhaltiger und widerstandsfähiger sind Unternehmen, die über das eigene Produkt hinausdenken – spätestens, wenn der Markt gesättigt ist.“
Als entscheidenden Erfolgsfaktor sieht Valentin ein ganzheitliches Kundenverständnis. Dieses sollte dem Erkennen neuer Potenziale über die eigenen Produkte vorausgehen: „Man fragt seine Kunden, welche Herausforderungen sie jenseits der bestehenden Produkte beschäftigen, und integriert gezielt neue Eigenschaften in Maschinen und Dienstleistungen, die diese Herausforderungen angehen. So lässt sich der Markt umgestalten und man erreicht ein Alleinstellungsmerkmal. Wer seine Kunden nur zum eigenen Produkt fragt, wird stets die gleiche Antwort erhalten: ‚mehr Leistung für weniger Geld‘.“ Damit folgt Valentin der übergeordneten Unternehmensphilosophie von Doppstadt: die Bedürfnisse der Kunden verstehen, um passgenaue Lösungen anzubieten.
Aus diesen Potenzialen folgt anschließend ein übergeordneter roter Faden, von dem sich alle Entscheidungen ableiten lassen – von der Aufstellung des Portfolios über die Auslegung einzelner Maschinen und Dienstleistungen bis hin zur formalen Gestaltung. „Ist dieser Faden einmal verstanden und implementiert, führen alle Handlungen darauf zurück und es entsteht für den Kunden ein einheitlicher und nachvollziehbarer Markenauftritt“, erläutert Valentin. Um diese Transformation zu unterstützen, schuf er abteilungsübergreifend geeignete Kanäle und Formate. Sein persönliches Ziel: Die feste Implementierung der neuen Prozesse und Perspektiven in die Unternehmensstrategie von Doppstadt.
Der Erfolg spricht für sich
Der INVENTHOR 6.2 ist die erste Maschine, die entlang der neuen Designstrategie entworfen wurde. „Aufgrund seiner hohen technischen Anforderungen war er der ideale Kandidat für eine maschinenübergreifende Formsprache. Frei nach dem Motto: Wenn es beim INVENTHOR funktioniert, dann auch bei allen anderen Doppstadt-Produkten.“
Valentin behielt Recht. Der INVENTHOR 6.2. wurde kürzlich mit dem IF Design Award sowie dem Red Dot Design Award prämiert. „Die Auszeichnungen sind eine großartige Anerkennung für das gesamte Team“, lobt Valentin. „Die Preise sowie erste Reaktionen auf dem Markt zeigen uns, dass wir mit der neuen Formsprache, die auch auf internen wie externen Widerstand traf, den richtigen Weg eingeschlagen haben.“ Zukünftig soll die Designstrategie für alle neuen Doppstadt-Lösungen übernommen werden.